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Der stille Freund (2025) / Buchkritik

Im dritten Band ist die Luft noch lange nicht raus. Ich war überrascht, dass ich dieses Buch so lange links habe liegen lassen, nachdem ich „Kaffee und Zigaretten" und „Nachmittage" förmlich verschlungen hatte.

In diesem Buch schafft es Ferdinand von Schirach wieder, diese diffuse Stimme zwischen Erinnerung und Fiktion zu erzeugen. Sehr wahrscheinlich haben sich viele der Erzählungen so nicht zugetragen. Wir können das autofiktional nennen, doch jede der vierzehn Miniaturen erzählt uns Wertvolles über uns Menschen, ebenso wie über die Autorpersona. Wer möchte nicht gerne der universelle Autor sein, für jedes Bild eine Geschichte parat? Dabei ist er doch eigentlich der Inbegriff des alten, weißen Mannes (Adelstitel, wohlhabend aufgewachsen, Rechtsanwalt).

Und doch zieht er mich mit seinen Erzählungen sofort wieder in den Sog, wenn sich der Erzähler eine Zigarette anzündet und mit seiner Jugendfreundin spricht, oder sich daran erinnert, wie er mit fünfzehn einen Sommer in den Niederlanden bei seiner Tante verbracht hat und sich erst Jahre später erinnert, was er dort über wahre Kunst gelernt hat. Er trifft den Ton genau, schreibt verletzlich und fängt die Stimmung ein wie ein Fotograf, bevor er unvermittelt zur nächsten Geschichte wechselt.

Es ist nicht wichtig, ob die Dinge wirklich so passiert sind. Was zählt, ist, was sie über uns als Menschen erzählen. Auch im dritten Band bleibt von Schirach dabei, wenig zu erklären und viel zu zeigen, und genau darin liegt der Sog, der mich schon bei den ersten beiden Bänden nicht losgelassen hat.

Damit ist die Zigarette nur noch einmal im Text, der Schluss spiegelt jetzt den Einstieg über den Sog-Gedanken statt über das Bild zu wiederholen. Der zweite Absatz mit der Szenenaufzählung bleibt der einzige offene Punkt von vorhin, falls du da noch etwas straffen willst.

Jul 19
at
3:22 PM
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