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Ein ganzes Leben (2014) von Robert Seethaler / Buchkritik
Ein ganzes Leben ist genauso herzerwärmend wie niederschmetternd, und dabei erstaunlich schmal für seinen Titel. Auf gerade einmal etwas über 150 Seiten fasst Robert Seethaler kein ganzes Leben zusammen, sondern gibt ihm ein Gefühl für jede seiner Stationen.
Und genau das macht den Roman so besonders: Es ist, als säßen wir neben Andreas Egger, immer dabei, wenn das nächste Ereignis in sein Leben tritt – so, wie Egger sein Leben selbst wahrnimmt, als etwas, das passiert und sich dann auswächst. Als Waisenjunge in einen fremden Ort im Tal gekommen, kann er sich an ein Leben davor kaum erinnern. Das Dorfleben ist selten laut, aber immer voll Leben, und Egger gehört dazu, ohne je richtig dazuzugehören (mit seinen eigenen Händen hat er es mitgeformt, so wie es ihn geformt hat). Seethaler ist in seiner Sprache direkt, nahbar, manchmal roh und immer einfühlsam, egal welche Tonart er wählt.
2023 verfilmte Hans Steinbichler den Stoff fürs Kino. Nach "Der Trafikant" ist dies bereits die zweite Seethaler-Verfilmung. Im Trailer sprechen sie von einem Jahrhundertroman. In jedem Fall bleibt "Ein ganzes Leben" sein zugänglichstes Buch. Ohne Eggers Leben gelesen zu haben, würde mir etwas fehlen.



