Gedankenexperiment – wenn Moskau so handeln würde wie Washington
Stellen wir uns Folgendes vor:
Russland erklärt, (und das nach all den vergangenen Geschehnissen seit Corona vermutlich korrekt) die Regierung von Deutschland sei korrupt, kriegsverantwortlich, demokratisch entkernt und habe durch Waffenlieferungen und Eskalationspolitik aktiv an einem Krieg gegen Russland mitgewirkt und mache aktiv Politik gegen die eigene Bevölkerung.
Ich schätze, an dieser Stelle werden jene, die aufmerksam sind, schon zustimmend nicken…
Dann marschieren russische Spezialkräfte ein, nehmen die politische Führung in Berlin fest, fliegen sie aus, erklären: „Wir regieren das Land vorübergehend, bis Ordnung hergestellt ist.“
Was würde passieren?
Die Antwort ist brutal eindeutig.
Die westliche Presse würde explodieren.
Nicht empört – hysterisch.
„Rückkehr des Faschismus!“
„Angriff auf die freie Welt!“
„Zweiter Hitler!“
„Putin erklärt Europa den Krieg!“
Sondersendungen rund um die Uhr.
Eilige NATO-Gipfel.
Sanktionen bis zur Steinzeit.
Waffenlieferungen im Akkord.
Journalisten im Gleichschritt.
Kein Mensch würde fragen:
– Gibt es eine Vorgeschichte?
– Gab es jahrelange Provokationen?
– Gab es innenpolitische Verbrechen?
– Gab es massive Grundrechtseingriffe?
Nein.
Alles das wäre sofort tabu.
Denn bei Russland gilt: Kontext ist Propaganda.
Jetzt drehen wir das Bild zurück zur Realität.
Die USA bombardieren ein Land, entführen dessen Präsidenten, verkünden offen ihre Übergangsherrschaft – und plötzlich gilt:
Kontext ist wichtig.
Es ist kompliziert.
Er war zwar kein Guter,
aber, man muss das differenziert sehen.
Das ist der Kern der Farce.
Gleiches Handeln – komplett andere Bewertung.
Nicht, weil das eine besser wäre als das andere.
Sondern weil Macht und Deutungshoheit definiert, was erlaubt ist.
Wenn Russland es tut: Verbrechen.
Wenn die USA es tun: Ordnung basierende Politik
Wenn Russland einen Regierungswechsel erzwingt: völkerrechtswidriger Regime Change.
Wenn die USA es tun: Demokratische Stabilisierung.
Und genau hier liegt die eigentliche Brisanz, die viele spüren, aber nicht aussprechen dürfen:
Das Problem ist nicht Maduro.
Das Problem ist nicht Venezuela.
Das Problem ist nicht Russland.
Das Problem ist ein System, in dem Recht nur für Gegner gilt nie für sich selbst.
Und deshalb wäre der Aufschrei im hypothetischen Berlin-Szenario nicht Ausdruck von Moral, sondern von Kontrollverlust.
Denn dann würde sichtbar, was man sonst erfolgreich verdrängt:
Dass Gewalt plötzlich dann „inakzeptabel“ ist, wenn sie nicht vom eigenen Lager ausgeht.
Dieses Gedankenexperiment ist ein Spiegel.
Und viele mögen ihn nicht, weil er zeigt, dass die sogenannte regelbasierte westliche Ordnung in Wahrheit eine verlogene Farce ist. Die USA und ihre Lakaien dürfen alles, der Rest der Welt darf die Fresse halten und zuschauen!