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Grenzen der gemeinsamen Wirklichkeit. Kommentar zur SKEPKON 2026

Ein Ball, den ich loslasse, der fällt zu Boden, und das nicht nur auf dem Sportplatz, auch in der Wohnung und im Wald, und das nicht nur heute. Das war gestern so und wird auch morgen so sein – eigentlich immer. Das wissen wir. Wir können uns sogar darauf einigen, dass eine Reise zum Mars für den Menschen möglich ist.

Antworten auf Fragen des Machbaren liefert die Wissenschaft. Sie definiert unsere gemeinsame Wirklichkeit. Aber sollten wir das, was grundsätzlich machbar ist, auch tatsächlich tun? Auf solche Fragen gibt uns die Wissenschaft keine schlüssigen Antworten.

Immanuel Kant folgend, unterscheide ich drei Reiche: Wissenschaft („Was kann ich wissen?“), Moral („Was soll ich tun?“) und Glückseligkeit („Was darf ich hoffen?“).

Tätigkeitsfeld des Skeptikers ist der Geltungsbereich der Wissenschaft, die gemeinsame Wirklichkeit. Sein Ziel ist die Entlarvung von falschen Lehren, soweit das möglich ist, also die Aussonderung von Pseudowissenschaften. Das Thema hatten wir schon bei »Skeptizismus contra Lobbyismus«.

Der Skeptiker wird scheitern, wenn er das Instrumentarium der Naturwissenschaften auf Fragen anwendet, die sich innerhalb der gemeinsamen Wirklichkeit nicht beantworten lassen.

Nun zur SKEPKON 2026. Ich habe die Veranstaltung genossen. Zu zwei Vorträgen will ich ein paar Bemerkungen machen.

Aufschlussreich fand ich den Vortrag von Richard Traunmüller »Ist die “Cancel Culture” wirklich ein Mythos?«. Er zeigte, wie unterschiedliche Wertvorstellungen bei ein und derselben Datenbasis zu einander entgegengesetzten Urteilen führen können: Der eine bezieht sich auf absolute Größen, der andere auf relative, auf Prozentzahlen.

Traunmüller nimmt die absoluten Zahlen und schlägt sich auf die Seite derjenigen, die Cancel Culture für real existent halten. Das ist eine ehrenwerte persönliche Entscheidung. Anspruch auf Allgemeingültigkeit hat sie nicht, wie Traunmüller selbst betont.

Auch der gestenreiche Vortrag von Katherine Dormandy stach heraus. Ihre Punkte: kontra Wissenschaftsfundamentalismus, kontra methodologischem Fetischismus, pro anekdotischer Evidenz, NLP habe "Potenzial für Wissenschaft", ... Ich hab's genossen: Es war eine gelungene Mischung aus Provokation und Schwanensee.

Katherine Dormandy hat ein paar von den Skeptikern liebgewonnene Vorstellungen aufgespießt. Manch ein Skeptiker lässt sich aber offenbar nicht so gerne verunsichern. In der Pause habe ich aufgeschnappt, wie ein Teilnehmer von »Strohmännern« sprach.

Manch ein Skeptiker aktiviert offenbar in solchen Situationen seine eintrainierten Abwehrreaktionen. Er geht auf die Metaebene und unterstellt dem Meinungsgegner unfaire Argumentation.

Das sind Reflexe, die der Skeptiker im Zuge der Neuausrichtung der deutschen Skeptikerbewegung ablegen kann und auch sollte. Das gilt natürlich auch für mich selbst.

Soweit mein Fazit aus der gelungenen Veranstaltung SKEPKON 2026.

May 17
at
10:59 AM
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